»Marines Urinate on Taliban«
Vom Versagen einer Simulation
»Wir können nicht menschlich sein, ohne in uns die Fähigkeit zum Schmerz, auch die zur Gemeinheit wahrgenommen zu haben. Aber wir sind nicht nur die möglichen Opfer der Henker: die Henker sind unseresgleichen. […] Gibt es nichts in unserem Wesen, das so viel Entsetzliches unmöglich macht? […] Tatsächlich, es gibt nichts. […] Wir sind also nicht nur zum Schmerz, sondern auch zur Raserei des Folterns fähig.« (Bataille 2008: 17, Herv. i.O.)
Mit dieser Erkenntnis lässt sich kein Krieg führen. Denn am Krieg ist nichts Menschliches, Krieg ist immer unmenschlich. Die Unmenschlichkeit des Krieges beginnt damit, die Menschen unmenschlich zu machen, sie also zu SoldatInnen auszubilden. Als solche/-r darf sie/er nicht die Fähigkeit zur Raserei und zum Foltern in sich sehen. Diese muss ausschließlich auf die/den Andere/-n, den/die »FeindIn« projiziert werden, die/der so entmenschlicht und zum Objekt wird. Diese Objektivierung der/des Anderen ermöglicht es schließlich, nicht mehr von Kriegen, sondern von »Operationen« zu sprechen. Dabei ist diese für das Führen von Kriegen zwingend notwendige Mensch/Objekt- bzw. Gut/Böse-Dichotomie ein höchst fragiles Konstrukt, zu dessen Beschädigung manchmal nur eine einzige mediale Repräsentation, die nicht diesem Muster folgt, ausreicht. Ob diese Repräsentation »echt« ist, ist eher sekundär.