Matias Faldbakken: SUCHE

Im Vorfeld der diesjährigen dOCUMENTA (13) erscheint im Hatje Cantz Verlag eine Serie von Notizbüchern mit dem Titel 100 Notizen – 100 Gedanken. Eines davon stammt von Autor und Künstler Matias Faldbakken, der für SUCHE die Protokolle seiner verschiedenen Festplatten verwendete und einen Teil der Verläufe seiner Google-Recherchen extrahierte. Verlagsseitig wird das zur konkreten Poesie einer écriture automatique geadelt, die es den Leser_innen ermögliche, einen Teil von Faldbakkens Arbeitsprozess mitzuerleben. Faldbakken selbst findet für diese Arbeitweise weniger euphemistische Worte: »Meine Texte sind mit einer Tonne vergleichbar, in der ich den ganzen Müll an Ideen ablegen kann.« (Faldbakken 2009: 130) Das heißt vielleicht, dass Faldbakkens bisher erschienene Romane aus der Mülltonne kommen, aber keinesfalls, dass sie auch für selbige geschrieben sind. Auch wenn deren gesellschaftskritische Intentionen streckenweise hinter sehr unterhaltsamen Effekten zurücktreten, sind The Cocka Hola Company, Macht und Rebel und Unfun mehr als nur »Sammlungen von kleinen Ideen, die ich dann zusammenknüpfe, um es am Ende wie eine richtige Novelle aussehen zu lassen.« (Matias Faldbakken im Interview mit arte KULTUR)

Dass es Faldbakken jedoch zunehmend anstrengt, sich hinzusetzen und zu schreiben (vgl. Faldbakken 2009: 130), merkt man. Der Seitenumfang seiner drei Romane nimmt vom ältesten bis zum neuesten um jeweils rund 100 Seiten ab: 462, 349, 266. Der Ideenreichtum hat unter dieser quantitativen Verkürzung bisher nicht gelitten. SUCHE scheint aber nicht nur auf quantitativer Ebene mit seinem Umfang von 32 Seiten die zunehmende Anstrengung Faldbakkens beim Schreiben zu belegen, sondern ihn auch in qualitativer Hinsicht darin zu bestätigen, dass »ich mich auch bei den Texten immer mehr verweigere und weniger Ideenreichtum akzeptiere.« (ebd.) Man kennt diese längeren Fragmente aus mal mehr und mal weniger einfallsreichen oder witzigen Stichwörtern bereits aus Faldbakkens Romanen. Zu Beginn noch recht unterhaltsam, neigt man allerdings spätestens nach der dritten Liste mit Titeln für Pornos oder Konzepten für das Guerillamarketing dazu, diese nur noch zu überfliegen und rasch weiterzublättern. Für eine Veröffentlichung ist dieses Konzept maximal als PR-Gimmick zur Documenta tragfähig. Maximal – denn die von Hatje Cantz freundlicherweise online zur Verfügung gestellte zwölfseitige Leseprobe – das sind immerhin mehr als ein Drittel des gesamten Heftchens – hat mir völlig gereicht. Fans werden es trotzdem kaufen und vielleicht auch lesen. Für Hatje Cantz rechnet sich das. (sn)

Matias Faldbakken: SUCHE

Matias Faldbakken: SUCHE. Reihe: Documenta 13: 100 Notizen – 100 Gedanken Nr. 035, Deutsch/Englisch, 2011. 32 Seiten, 2 Abb., 10,50 x 15,00 cm, Broschur. ISBN 978-3-7757-2884-3

  • Faldbakken, Matias (2009): »Was macht die Kunst, Matias Faldbakken?«, in: monopol 4/2009, S. 130.

Happy Birthday, Großmaul! (sn)

Happy Birthday, Großmaul! (sn)

»Marines Urinate on Taliban«

Vom Versagen einer Simulation

»Wir können nicht menschlich sein, ohne in uns die Fähigkeit zum Schmerz, auch die zur Gemeinheit wahrgenommen zu haben. Aber wir sind nicht nur die möglichen Opfer der Henker: die Henker sind unseresgleichen. […] Gibt es nichts in unserem Wesen, das so viel Entsetzliches unmöglich macht? […] Tatsächlich, es gibt nichts. […] Wir sind also nicht nur zum Schmerz, sondern auch zur Raserei des Folterns fähig.« (Bataille 2008: 17, Herv. i.O.)

Mit dieser Erkenntnis lässt sich kein Krieg führen. Denn am Krieg ist nichts Menschliches, Krieg ist immer unmenschlich. Die Unmenschlichkeit des Krieges beginnt damit, die Menschen unmenschlich zu machen, sie also zu SoldatInnen auszubilden. Als solche/-r darf sie/er nicht die Fähigkeit zur Raserei und zum Foltern in sich sehen. Diese muss ausschließlich auf die/den Andere/-n, den/die »FeindIn« projiziert werden, die/der so entmenschlicht und zum Objekt wird. Diese Objektivierung der/des Anderen ermöglicht es schließlich, nicht mehr von Kriegen, sondern von »Operationen« zu sprechen. Dabei ist diese für das Führen von Kriegen zwingend notwendige Mensch/Objekt- bzw. Gut/Böse-Dichotomie ein höchst fragiles Konstrukt, zu dessen Beschädigung manchmal nur eine einzige mediale Repräsentation, die nicht diesem Muster folgt, ausreicht. Ob diese Repräsentation »echt« ist, ist eher sekundär.

Daher lässt sich das Video, das bei YouTube unter »marines urinate on taliban« problemlos zu finden ist, auch ohne »Echtheitszertifikat« auf seine Effekte hin untersuchen, die die Gut/Böse-Dichotomie brüchig werden lassen. Was bewirkt dieses Video außer möglicher Destabilisierungen im politischen Verhältnis der USA/des Westens zur muslimischen Welt, hier insbesondere den Taliban?

Wenn menschlich sein bedeutet, dass man als Mensch niemals nur Opfer, sondern immer auch Henker ist, und wenn SoldatIn sein die Entmenschlichung in der Hinsicht bedeutet, dass man den Henker in sich verleugnet, um ihn auf die/den Andere/-n zu projizieren, dann zeigt dieses Video die urinierenden Soldaten als das, was sie sind: Menschen. Menschen, die genauso Menschen sind wie die Taliban, die getötet wurden, Menschen, die keine höheren oder gar »Übermenschen« sind.

Doch mit dieser medialen Repräsentation von US-Marines lässt sich eben kein Krieg führen. Mediale Repräsentationen von US-Marines haben anders auszusehen. Sie müssen u.a. die Überlegenheit des westlichen Wertekanons über den Rest der Welt zeigen, wie der Sekretär des US-Verteidigungsministeriums Leon E. Panetta in der New York Times zu betonen nicht müde wird: »the conduct depicted in the footage is utterly deplorable, and […] it does not reflect the standards or values American troops are sworn to uphold.« (Bowley/Rosenberg 2012) Auch Außenministerin Hillary Rodham Clinton betont ebenda die Unvereinbarkeit des im Video gezeigten Verhaltens mit den Werten, für die das US-Militär einstehen soll.

Dies soll nun in keiner Weise die Menschenverachtung, die von dieser im Video zu sehenden Tat ausgeht und die möglicherweise auch einen Verstoß gegen die Genfer Konvention darstellt, in Abrede stellen. Aber hier interessiert die Metaebene des Videos, auf der uns vorgeführt wird, dass »der Westen« auch nicht »zivilisierter« als die Taliban ist. Dies ist mit Blick auf die für das Führen von Kriegen notwendige Gut/Böse-Dichotomie, die eine Form von Entmenschlichung – und zwar auf beiden Seiten! – ist, hoch problematisch. Darüber hinaus macht uns dieses Video klar, dass diejenigen medialen Repräsentationen, die Krieg ermöglichen, indem sie die Gut/Böse-Dichotomie aufrechterhalten, niemals die »Realität« wiedergeben, sondern Simulationen im Sinne Jean Baudrillards (1978) sind, »[i]dealisierte Übertragungen einer widersprüchlichen Realität« (ebd.: 25), die uns glauben machen, dass die/der Andere in uns nicht anwesend ist. Die Simulation verdeckt die widersprüchliche Tatsache, dass das Böse stets Teil des Guten ist und umgekehrt, und ermöglicht so die Herausbildung instrumentalisierbarer Gut/Böse-Dichotomien, die immer zur Entmenschlichung auf allen Seiten beitragen.

Hierbei darf allerdings niemals die Simulation als Simulation sichtbar werden, da Macht und Herrschaft nur durch das Realitätsprinzip legitimierbar sind. Die Simulation ersetzt zwar das Realitätsprinzip, indem sie es eben simuliert, sich selbst als Realität ausgibt, aber sie darf diesen Vorgang nicht sichtbar werden lassen. Macht und Herrschaft lassen sich nur legitimieren, wenn wir an die »Realität« glauben. Dies gelingt aber nur, wenn wir nicht merken, dass wir in einer Hyperrealität leben, die auf nichts Reales mehr verweist. Eben dies zu leisten ist Aufgabe der Simulation. Gelingt dies nicht, stürzt das System in eine Krise. So entwickelt auch der Krieg seine ihm eigene Hyperrealität fernab von jeglicher Fremdreferenz, wozu er sich jedoch fremdreferentieller Ressourcen bedienen muss, die dies verdecken, indem sie eine Realität simulieren. So kann der Krieg, »unmoralisch und skrupellos, […] nur hinter einer moralischen Superstruktur agieren« (Baudrillard 1978: 27).

Das Funktionieren eben dieses Prinzips ist durch das Video, das US-Marines beim Urinieren auf tote Talibankämpfer zeigt, empfindlich gestört worden. Hier sehen wir die Anwesenheit des Bösen, das wir bekämpfen, in uns selbst. Die Simulation hat versagt, die MachthaberInnen der herrschenden Klasse haben nun ein schwerwiegendes Legitimationsproblem. Denn für den Moment wird sichtbar, dass Krieg weder rational noch moralisch ist. Was dieses Video also auf einer Metaebene zeigt, ist, dass »das ›Ich‹ […] schon durch seine Beziehung zu demjenigen in Frage gestellt [wird], an den ich mich richte« (Butler 2009: 37 f.). Die Quintessenz dieses Videos liegt damit darin, die zu simple Logik des Kriegs nicht nur in Frage zu stellen, sondern sie auch als Simulation zu entlarven. Dies wiederum wirft die Frage auf, für welche wirklichen Werte, die andere sind als diejenigen, die Kriege ermöglichen, wir einstehen.

Denken wir mit Baudrillard noch um eine Ecke weiter, bleibt offen, ob uns der Skandal, den dieses Video verursacht hat, einen Schritt in Richtung Menschlichkeit bringen wird. Denn der Skandal ist konstitutiv für die Hyperrealität. Wie gesehen, darf die Simulation nicht offenbaren, dass es in der Hyperrealität weder Rationalität noch Moral gibt. Ein Skandal aber, wie dieses Video einer ist, behauptet durch den (vermeintlichen) Bruch mit Rationalität und Moral immer auch deren (vermeintliches) Vorhandensein. Ein Skandal simuliert also Rationalität und Moral dort, wo sie nicht sind, und stabilisiert so das Fortbestehen einer Gesellschaft ohne reale Werte. Daher kann eine Gesellschaft, die selber über keine wirklichen Werte verfügt, auch nirgendwo anders wirkliche Werte etablieren.

So groß Baudrillards Scharfsinn ist, so groß ist auch sein Pessimismus. Es sei daher abschließend daran erinnert, dass nicht nur der Pessimismus, sondern auch die Fähigkeit zur Utopie, die sich mit der Welt so, wie sie ist, nicht zufrieden gibt, zum Menschlichen gehört. (sn)

  • Bataille, Georges (2008): Henker und Opfer, Berlin: Matthes & Seitz.
  • Baudrillard, Jean (1978): Agonie des Realen, Berlin: Merve.
  • Bowley, Graham/Rosenberg, Matthew (2012): »Video Inflames a Delicate Moment for U.S. in Afghanistan«, in: New York Times, 12. Januar, zugegriffen am 15.01.2012, http://www.nytimes.com/2012/01/13/world/asia/video-said-to-show-marines-urinating-on-taliban-corpses.html?_r=1.
  • Butler, Judith (2009): »Außer sich: Über die Grenzen sexueller Autonomie«, in: dies., Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 35-69.

Runder Tritt und großes Blatt

Die radikale Unbrauchbarkeit des Autos in der Stadt ist, mit Gilles Deleuze und Félix Guattari (1977: 513 f.) betrachtet, nur ein Ausdruck der vielen Probleme von Gesellschaften, die durch Spezialisierung und Monopolisierung geprägt sind. Dabei sind Spezialisierung und Monopolisierung durchaus nicht immer eine technische Notwendigkeit. Oft sind sie »lediglich« Ausdruck derjenigen ökonomischen und politischen Imperative, die auf die Konzentration der Macht in den Händen der herrschenden Klasse abzielen. Es lassen sich durchaus andere Gesellschaften denken, in denen das Recht zur Benutzung der Produktionsmittel nicht das exklusive Recht der herrschenden Klasse ist, sondern das eines jeden Individuums. Hier wird durch die größtmögliche Anzahl von Menschen extensiver Gebrauch von kleinen Maschinen gemacht, für die nur wenig Spezialwissen vonnöten ist. Ein naheliegendes Fortbewegungsparadigma einer anderen Gesellschaft, das nicht den nostalgischen Traum einer Rückkehr zur Natur träumt, sondern wirklich fortschrittlich ist, wäre in diesem Sinne das Fahrrad (vgl. ebd.).

Langsam beginnt diese Erkenntnis auch in die Verkehrspolitik durchzusickern. In vorbildlicher, weil unterhaltsamer und nicht moralisierender Weise, hat sich die Bezirksverwaltung des Londoner Stadtteils Royal Borough of Kensington & Chelsea der Sache angenommen und nennt auf der Website BIKEMINDED nicht nur eine ganze Reihe guter Gründe für das Verkehrsmittel Fahrrad, sondern stellt auch eine buntgemischte Plattform rund um das Thema bereit. In noch größerem Umfang widmet sich road.cc der Sache. Die »website for pedal powered people«, sowohl 2010 als auch 2011 auf den BikeBiz Awards zu Großbritanniens Fahrrad-Website Nr. 1 gewählt, wartet täglich aktualisiert mit allem auf, was mit zwei Rädern und Muskelkraft zu tun hat, egal ob es sich dabei um Rennsport, Berufspendeln, Freizeit etc. handelt. Neben aktuellen Nachrichten aus der Welt des Fahrrads, gehören auch fundierte und praxisnahe Produkttest, Blogs, Diskussionsforen u.v.a.m. zu Angebot. Warum eigentlich findet sich im deutschsprachigen Raum kein Äquivalent hierzu?

Wenig fortschrittlich muten allerdings gefühlte 90 Prozent der aktuellen Fahrradbekleidung an. Hier dominieren immer noch ganz nach Art der 1980er und 1990er stilistische Aufdringlich- und Beliebigkeiten in meist grell schreiender Neonästhetik und Spandex. Zum Glück gibt es Ausnahmen von der Regel. Eine besonders erwähnenswerte ist Rapha, ein Radbekleidungshersteller, der mit seinen Produktlinien nicht nur ambitionierte RennradfahrerInnen im Blick hat, sondern auch die Zielgruppe der StadtcyclistInnen mit schlichten und eleganten, aber dennoch auch im sportlichen Einsatz höchst tauglichen Stücken anspricht. Zusätzlich wird eine alternative Fahrradkultur vermittelt, die ihren Schwerpunkt nicht auf der im Mainstream so gefragten Jagd nach Höchstleistungen hat, sondern sich zu großen Teilen um (Lebens-)Stilfragen kümmert. Gut vernetzt ist man bei Rapha auch, so dass deren Blog einen guten Start in die virtuelle Welt des Fahrrads bietet. Zugegeben, die Preise bewegen sich hier im oberen Bereich. Aber mehrmals im Jahr gibt es Ausverkäufe und wer sich ein BenutzerInnenkonto einrichtet und den Newsletter abonniert, bekommt öfters Aktionscodes zugeschickt, mit denen man sich die Versandkosten spart oder ein paar Extraprozente bekommt. Günstigere, aber nichtsdestoweniger hochwertige Alternativen, vor allem was das Fahren in der Stadt betrifft, bietet surface clothing, wenn auch deren Produktpalette bei weitem nicht den Umfang derer Raphas hat. Doch die Quantität braucht es nicht unbedingt, wenn das, was angeboten wird, den Nerv trifft. Ich persönlich bin höchst glücklich mit dem Aquaphobic Wool Jacket. Ganz dem stylischen Fahren in der Stadt hat sich auch swrve verschrieben. Viel Spaß beim Stöbern!

Es mag ein wenig verwundern, dass sich zu diesem Thema so viel auf der Insel tut, wo der Radsport dort im Vergleich mit Belgien, Frankreich oder Italien es nie wirklich geschafft hat, ein Breitensport zu werden. Daher ist es noch seltsamer, dass sich mit Blick auf stilistisch ansprechende Radoutfits auf dem Kontinent so wenig bewegt. Dennoch lässt das, was sich hier tut, hoffen: Café du Cycliste steht beispielsweise an, es Rapha gleich- bzw. ähnlichzutun, denn das, was hier bereits an Kollektionen erhältlich ist, zeichnet sich durch einen sehr französischen Chic aus, den man auch im auf die Stadt spezialisierten Programm von XÜ ride findet. Italienisch smart gibt sich in der Stadt und Überland Pistard im preislich mittleren bis gehobenen Sektor. Und wie es sich für Italien nun einmal gehört, findet man in diesem Land auch die passenden Schuhe: Dromarti bietet mit den Linien Race, Sportivo und Storica umwerfend schöne Lederschuhe im Design der 1960er, die zudem noch, das Storica-Modell ausgenommen, kompatibel mit dem Look- und dem SPD-System sind. Über Preise reden wir allerdings besser nicht.

Auch im Fahrradbau tut sich etwas abseits von den großen HerstellerInnen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, da deren Werbebudget groß genug ist, um für sich selbst zu sprechen. Anders sieht das bei Elian Cycles aus, einer winzigen niederländischen Manufaktur, die kleine Serien und Maßgefertigtes anbietet. Ganz in der niederländischen Tradition robuster und praktischer Fahrräder stehend, beweist man bei Elian Cycles aber auch Sinn für Innovationen und zeigt, dass sich praktischer Nutzen und eine minimalistisch-geradlinige Ästhetik mit Liebe fürs Detail nicht gegenseitig ausschließen müssen. Elian Veltman baut in jeder Hinsicht smarte Räder.

Für die sportlich ambitionierte Singlespeed- und Fixed-Fraktion lohnt es sich, bei Leader Bike hineinzusehen. Hier gibt es interessante Rahmen aus Aluminium und Stahl für den Einsatz auf der Straße, der Bahn und im Gelände. Sogar einen Rennradrahmen aus Carbon hat man im Programm, das durch verschiedene Gabeln, Lenker, Sättel, Naben, Sattelstützen und Kurbeln ergänzt wird. Auch die Mailänder Rahmenschmiede Dodici Cicli, die den originellen Rahmen Special herstellt, sei erwähnt. Nicht vergessen werden darf selbstverständlich die deutsche Manufaktur veloheld, die sich ausgehend von ihrem stets nur in limitierter Stückzahl erhältlichen Klassiker alley mittlerweile auch im MTB- und Rennradbereich mit der Maxime »schnell, wendig und pur« einen Namen macht und ausschließlich Stahl verbaut. Wer übrigens ausschließlich auf Stahl schwört, der/dem sei hier der Blog Stahlrahmen-Bikes wärmstens empfohlen. Dieses Thema ist einfach zu umfangreich, als dass es in diesem Artikel angemessen behandelt werden kann. Wer allerdings nicht nachvollziehen kann, worin der Reiz eines Stahlrahmens liest, die/der lese Robert Penns (2010) It’s All About the Bike.

Überhaupt ist es hier nur möglich, einen kleinen Einblick in das zu geben, was sich zum Thema Fahrrad im Netz tut – und es tut sich viel! Der Blog Prolly Is Not Probably lässt erahnen, wie vielseitig alternative Fahrradkulturen abseits des Mainstreams sind, ganz gleich, ob es sich dabei um Rennrad, Fixed, MTB, BMX oder was auch immer handelt. John Watson, der Betreiber des Blogs, versammelt hier »bikes, music, design and bullshit« und macht auch schöne Fotos zum Thema, die man unter The Norse Photo bewundern kann. Ein ähnliches Projekt verfolgen die Mädels von Candy Cranks und zeigen damit, dass das Fahrrad keine ausschließlich männliche Domäne ist. Dass Radsport auch anders aussehen kann, als vom Weltradsportverband UCI vorgeschrieben, zeigt das Red Hook Criterium am 24. März 2012 bereits zum fünften Mal. Das von Dave Trimble und Gage+DeSoto organisierte nächtliche Kriterium, bei dem nur Bahnräder zugelassen sind, verspricht wieder einmal ein atemberaubendes Kräftemessen der internationalen Radkurierszene zu werden. Sowieso ist es äußerst spannend zu sehen, was man mit einem Fixedgear so alles anstellen kann, wenn man die Bahn mal verlässt. So lassen sich der Mont Ventoux wie auch die Strecke Stuttgart – Barcelona oder Tokio – Osaka durchaus mit nur einem Gang bezwingen, die flache Fjordgegend rund um Oslo sowieso.

Ob der Fortschritt hätte haltmachen sollen, als der Mensch das Fahrrad erfunden hatte (vgl. West 1977), ist fraglich. Sicher aber ist, dass das Fahrrad nicht nur ein fortschrittliches Verkehrsmittel ist, sondern auch eine Menge Spaß bringt. In diesem Sinne: Happy riding! (sn)

  • Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1977): Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I, Frankfurt/Main: Suhrkamp.
  • Penn, Robert (2010): It’s All About the Bike. The Pursuit of Happiness on Two Wheels, London: Particular Books.
  • West, Elizabeth (1977): Hovel in the Hills. An Account of the Simple Life, London: Faber & Faber.

Tokyo to Osaka

Fixed natürlich, was sonst… (sn)